„Nach Kulturen der Sorge Ausschau halten“

Die Haltung zum Leben und der Umgang mit dem Sterben sind sicherlich die wichtigsten Eckpunkte einer jeden Gesellschaft. Geprägt durch kulturelle, religiöse, persönliche Einstellungen einerseits, durch technische und medizinische Entwicklung andererseits stellen sich uns immer wieder grundlegende Fragen. Auf diese müssen wir theoretische, aber auch ganz praktische Antworten finden. Wann beginnt das Leben, wann endet es? Was ist Hilfe, was Bevormundung? Wo beginnt und wo endet der freie Wille? Welche Verantwortung trägt der Einzelne für die Gesellschaft und die Gesellschaft für den Einzelnen?

Es ist das große Verdienst der Mitbegründer des Hospiz- und Palliativkongresses, dass sie sich solchen Themen und ihrer praktischen Relevanz für das Sterben stellen. Bereits zum zweiten Mal und mit großer Resonanz haben sich zehn Kooperationspartner zusammengefunden, um über die Themen Hospizbewegung und Palliativmedizin zu diskutieren. Sie stellen sich der notwendigen Frage, wie die Idee des Hospizes, aber auch die Palliativmedizin in unsere Gesellschaft hineinwirkt. In unsere ganz privaten Belange, aber auch in die Struktur des Gesundheitswesens, der Krankenhäuser und der Lebensbereiche vieler älterer, aber auch jung vom Sterben betroffener Menschen. Ganz sicher gibt die Befassung mit den Prinzipien der Hospiz- und Palliativbewegung aber auch Anlass, darüber hinaus nach Kulturen der Sorge und der Verantwortung – für andere, aber auch für sich selbst – Ausschau zu halten und damit prägende Momente einer „caring society“ der Zukunft zu entwickeln.

Ich wünsche dem zweiten Hospiz- und Palliativkongress Baden-Württemberg Erfolg und uns allen Gewinn für eine hoffnungsfrohe Gestaltung der Zukunft.

Bettina Limperg
Präsidentin des Bundesgerichtshofs, Karlsruhe

weitere Infos: http://hpvbw.de/kongress