Gabis Handtuch in Amerika, Carmen Mayer, Trauerbegleiterin

GGabi starb im August, plötzlich und unerwartet, mit 49 Jahren.
Ihre Lebensgefährtin erzählt: „Gabi hatte alles mit Katzenmotiven. Handtücher, Topflappen, eben einfach alles. Das waren kleine Unikate, schöne Sachen. Dann gibt es dieses eine große, rote Badehandtuch mit Katze. Das sah neulich das Enkelkind einer Freundin von mir und war begeistert davon. Das kleine Kind wollte das Handtuch unbedingt mit auf die Urlaubsreise nach Amerika nehmen. Ich stimmte zu und fand das sehr schön. Gabi war nämlich mit 17 und 18 mehrmals mit ihrer Familie in Amerika gewesen. Wir wollten immer zusammen hinfahren und haben es nie geschafft“. Gabis Lebensgefährtin macht eine kurze Pause und sagt dann: „Weil Zeit immer so etwas ist, von dem man denkt, man hätte ganz viel davon“. 

Einen Moment sitzen wir da, hängen unseren Gedanken nach und schweigen. Sie holt ihr Handy aus der Tasche und sagt: „Jetzt sind zwar Gabi und ich nicht nach Amerika gefahren, aber ihr Handtuch“. Dann zeigt sie mir ein Bild auf ihrem Handy, auf dem Gabis rotes Katzenhandtuch über den Dächern von Washington zu sehen ist – der Himmel strahlt in blau und nur wenige Wolken ziehen vorüber. Gabis Handtuch ist dem Himmel ganz nahe. Während wir das Bild betrachten, erzählt Gabis Lebensgefährtin weiter: „Das hat mich sehr gerührt. Weil ich weiß, dass Gabi das gut gefallen hätte. Das ist ein bisschen so, wie wenn Gabi mitgefahren ist. Sie war jetzt auch in Amerika, so wie sie wollte.“ Gabi, die jetzt seit acht Jahren fehlt. 

Foto L.C. 

2019-08-12T20:14:26+02:0012. August 2019|Blog|