Auf ein Mittagessen mit René, der als Palliativpfleger arbeitet, Carmen Mayer, Trauerbegleiterin

Während eines gemeinsamen Mittagessens im schönen Hamburg-Altona, gab mir René Einblicke in seinen Arbeitsalltag auf der Palliativstation eines Uniklinikums.

René ist seit über 20 Jahren in diesem Bereich tätig. Bereits während seines letzten Ausbildungsjahres als Krankenpfleger arbeitete er auf der Palliativstation. „Es war schön dort. Ich hatte keine Berührungsängste“. Und so blieb er. 

Nach einem mehrjährigen Abstecher ins stationäre Hospiz ist er jetzt wieder seit acht Jahren auf einer Palliativstation tätig. Platz ist dort für 12 Patient_innen, die in ehemaligen Doppelzimmern liegen. Diese sind heute immer einzeln belegt, so dass die Möglichkeit besteht, dass An- und Zugehörige über Nacht bleiben können. 

Wenn eine Patient_in gestorben ist, dann brennt auf dem Tresen ein Licht solange sie da ist. „Die Patient_innen können bei uns eine längere Zeit nach dem Tod bleiben, etwa 12 Stunden, manchmal auch länger. So können die An- und Zugehörigen Abschied nehmen“, berichtet René. Auch eine Totenfürsorge, d.h. waschen und Ankleiden mit persönlicher Kleidung, ist möglich. „Wir bieten das an und machen das gerne zusammen mit den Hinterbliebenen oder auch allein, wie es gewünscht wird“, erzählt René.

Nach dem Tod der Patient_in schickt die Station einige Wochen später einen kleinen Brief, in dem sie bei Bedarf Unterstützung in der Trauer anbietet wie z.B. im Trauercafé, das einmal im Monat im Krankenhaus stattfindet. Darüber hinaus gestalten zwei Pfleger_innen der Palliativstation drei bis viermal pro Jahr eine Erinnerungsfeier, zu der alle Hinterbliebenen eingeladen werden. Dabei steht ein Kerzenritual im Mittelpunkt, bei dem die Namen der Verstorbenen verlesen werden und alle An- und Zugehörigen dann ein Licht für ihre Verstorbenen anzünden können. Danach gibt es Kaffee, Tee, belegte Brötchen und Kuchen sowie Zeit und Raum für Gespräche und Austausch.

Obwohl René schon viele Jahre in diesem Bereich arbeitet, hat er immer noch viel Herz und Leidenschaft für seine Tätigkeit. Das liegt vielleicht auch daran, dass René sehr gut Abschalten kann von seiner Arbeit, die er bewusst nicht als Vollzeitstelle, sondern als Dreiviertelstelle ausübt. „Dazu braucht man auch ein gesundes Umfeld und ich beschäftige mich privat nur mäßig mit den Themen Tod, Sterben und Trauer, vielmehr scheint es mir wichtig, sich andere Dinge zu suchen“, erzählt René. So geht er regelmäßig zu Altona 93, hört gerne (Geschichts)Podcasts und ist außerdem seit mehreren Jahren als Künstler tätig, vor allem mit Schablonen und Stencil. 

Die Zeit rast dahin und Renés Mittagessen ist fast schon kalt, als er endlich dazukommt in Ruhe zu essen. Als wir uns schließlich voneinander verabschieden, denke ich bei mir: Wenn ich je auf einer Palliativstation liegen sollte, dann möchte ich gerne René als Pfleger haben. Das wäre schön! 

Foto: René Scherr, mehr Infos zu dem Bild und zu René Scherr: http://www.renescheer.de/2016/03/

Carmen Mayer, www.carmenmayer.de

2020-01-15T10:08:34+02:0015. Januar 2020|Blog|